Emotionsfokussierte  Paartherapie

 Liebe und Bindung

John Bolby hat in den späten 30er und in den 40er Jahren des letztenJahrhunderts   die Bindungstheorie erforscht. Seine Idee ist, dass frühe emotionale Erfahrungen der Schlüssel zur Entwicklung der Persönlichkeit und zu der charakteristischen Art eines Menschen, zu anderen in Beziehung zu treten sei.

als er 1990 starb erlebte er nicht mehr die zweite auf sein Werk zurückzuführende Revolution mit: Die Anwendung der Bindungstheorie auf die Liebe zwischen Erwachsenen, obwohl auch das schon Gegenstand seiner eigenen Beobachtungen und Forschungen nach dem 2. Weltkrieg war. Und ihm klar geworden war, dass dieses Bedürfnis nach Verbundenheit die Kraft ist, die Beziehungen zwischen Erwachsenen formt.

Die Vorstellung eines unverwundbaren Kriegers, der dem Leben und jeder Gefahr allein entgegentritt, ist in der westlichen Kultur seit langem verwurzelt ( z.B. James Bond ) Dagegen wird die Bezogenheit auf ein Du und die Fähigkeit sich von der Wiege bis zur Bahre an andere zu wenden um von ihnen emotional unterstützt zu werden von

Bolby als ein Zeichen von Stärke und als Ressource gesehen. Die seit den späten achtziger Jahren durchgeführten Forschungen bestätigten Bolbys Voraussagen in hunderten von Studien. Als Resümee könnte man festhalten, dass das Gefühl sicherer Verbundenheit zwischen Partnern einer gesunden Liebesbeziehung von zentraler Bedeutung und gleichzeitig eine enorme Kraftquelle für beide Partner ist.

Eine sichere emotionale Verbindung zu einem geliebten Menschen verleiht uns Flügel.

Die Qualität unserer Liebesbeziehungen hat auch Auswirkungen auf unsere psychische und physische  Gesundheit.

Auch hier ist durch viele Studien belegt, dass eine positive , liebevolle Beziehung zu einem anderen Menschen uns vor Stress schützt und uns hilft , in unserem Leben mit Problemen und Traumata besser fertigzuwerden. Die Menschen, die wir lieben sind die verborgenen Regulatoren unserer Körperprozesse und unseres Gefühlslebens. Wenn die Liebe nicht funktioniert empfinden wir Schmerz.

Auf unserem Weg zur Entwicklung eines Verständnisses der Liebe und ihrer Bedeutung haben wir einen weiten Weg zurückgelegt. 1939 bezeichneten Frauen die Liebe als den fünfwichtigsten Faktor bei der Wahl eines Partners. In den 1990er stand die Liebe sowohl für Frauen als auch Männern auf dem ersten Platz dieser Liste.

Liebe vermag die riesigen Wunden zu heilen, die uns das Leben manchmal zufügt.

Außerdem stärkt sie unser Gefühl der Verbundenheit mit der ganzen Welt.

Und liebevolle Anteilnahme ist die Grundlage einer wahrhaft mitfühlenden zivilisierten Gesellschaft. Was wiederum die Voraussetzung für ein friedliches , achtsames  Zusammenleben ist.

Liebe ist nicht der Zuckerguss auf dem Kuchen des Lebens , sondern ein primäres Bedürfnis, ebenso wie Sauerstoff und Wasser.

Wenn wir das verstehen und anerkennen, gelangen wir leichter ins Zentrum von Beziehungsproblemen.

( Auszüge aus dem Buch von Susan M. Johnson  Halt mich fest  )

Lover's Shadows